Einblick in den Begriffsdschungel des Masseurs und Therapeuten

Masseur und med. Bademeister, Massage- und Wellnesstherapeut, Entspannungstherapeut, Wellnessmasseur usw… sind eine Vielzahl von Begriffen, die für Laien häufig verwirrend sein können. Alle dürfen Massagen anbieten, da der Begriff rechtlich nicht geschützt ist. Daher kann es manchmal für Patienten/Kunden durchaus kompliziert werden, sich an den richtigen Therapeuten bei diversen Beschwerden zu wenden.

Dieser Artikel soll ein wenig Licht ins Dunkle bringen und vielleicht dem ein oder anderen helfen, den richtigen Ansprechpartner zu finden.

2008/2009 fiel das Landgericht Kiel ein Gerichtsurteil bezüglich der Zulässigkeit der Berufsbezeichnungen des Massage- und Wellnesstherapeut sowie des Entspannungstherapeut. Weder der Begriff des »Masseurs« noch der des »Therapeuten« sind geschützt: dies bedeutet, dass sie individuell kombiniert werden können, sofern sie nicht mit anerkannten Ausbildungsberufen korrelieren. Nur der »Physiotherapeut« und der »Masseur und med. Bademeister« sind geschützte Ausbildungsberufe, deren Titel man erst offiziell tragen darf, wenn man eine entsprechende Ausbildung nach dem MPhG (Masseur- und Physiotherapeutengesetz) absolviert und die staatliche Abschlussprüfung bestanden hat.

Doch worin bestehen die Unterschiede der Ausbildungen zwischen dem geschützen Masseur und med. Bademeister und z. B. dem Massage- und Wellnesstherapeuten und wo liegen die jeweiligen Arbeitsfelder?

Wenn man zunächst mal die Ausbildung zum Masseur und med. Bademeister betrachtet, fällt als erstes ins Auge, dass es sich um eine 2 ½ jährige Ausbildung handelt. Zwei Jahre sind schulisch mit theoretischen, praktischen und fachpraktischen Anteilen mit einer Gesamtanzahl von 3030 Unterrichtseinheiten abzuleisten. Die Auszubildenden haben in der Zeit schon die Möglichkeit ihr gelerntes Wissen in verschiedenen Praktikas anwenden zu dürfen. Die Inhalte der Ausbildung erstrecken sich über die Anatomie und Physiologie des Menschens, Kranhkeitslehre, Befunderhebung sowie verschiedene Fächer über die Massagearten/-anwendungen (z. B. Klassische Massagetherapie, Bindegewebsmassage, Colonmassage, Sportmassagen etc.). 

Am Ende der zwei Jahren steht eine staatliche Abschlussprüfung mit schriftlichen, praktischen und mündlichen Anteilen. Bei Bestehen geht es anschließend in das halbjährige Anerkennungspraktikum und erst nach erfolgreichem Abschluss wird die Berufsurkunde als offizielles Dokument von der jeweiligen Regierung ausgehändigt.

Dem gegenüber steht die »Ausbildung« zum »Massage- und Wellnesstherapeuten« mit einer Dauer von sechs Tagen bzw. 64 Unterrichtseinheiten. In diesen sechs Tagen sollen ebenfalls Inhalte der Anatomie und Physiologie des Menschens sowie verschiedene Massagegriffe bzw. - arten erläutert und erlernt werden. Am Ende dieser Woche steht eine Praktische Lehrprobe und man beendet diese Kurs mit einem Zertifikat über den Massage- und Wellnesstherapeuten. Es gibt verschiede Akademien und Weiterbildungsinstitutionen, die diese »Ausbildung« auf Selbstzahlerbasis anbieten.

Die Tätigkeitsfelder der beiden Berufe (Masseur und med. Bademeister sowie des Massage- und Wellnesstherapeuten) unterscheiden sich in einem Punkt sehr deutlich:

Der Masseur und med. Bademeister ist dazu ermächtigt, gesundheitlich beeinträchtige bzw. kranke Personen zu Behandeln. In diesem Fall spricht man auch von Patienten, da in der Regel eine Verordnung vom Arzt vorliegen muss, bevor behandelt werden kann. Dabei richtet sich die Behandlung spezifisch nach dem Krankheitsbild und den Beschwerden des Patienten. Somit finden sich die Schwerpunkte der Tätigkeitsfelder in der präventive, kurative und rehabilitative Medizin sowie in dem Bereich der Medical Wellness.

Der Massage- und Wellnesstherapeut hingegen darf nur gesunde Personen massieren. Somit beschränkt sich sein Aufgabengebiet nur auf den Wellness- und Gesundheitsvorsorgebereich.

Leider gibt es heutzutage immer weniger Masseure und med. Bademeister. Junge Leute, entscheiden sich häufig gleich für die Ausbildung zum Physiotherapeuten, wodurch leider viele Lehrinhalte des Masseurs und med. Bademeister verloren gehen, da die Prioritäten anderweitig verteilt sind.

Meiner Meinung nach, sollten man sich gut überlegen, ob man Geld in einen sechs-tägigen Kurs steckt, in viele Bereiche der Massage kurz hinein schnuppert oder ob man das Interesse an dem Gebiet der Massage nutzt und eine angesehene und fundierte Ausbildung mit offiziellem Abschluss absolviert und somit ein angesehenes Handwerk von der Pike auf erlernt und einzusetzen weiß.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nach der Ausbildung zum Masseur und med. Bademeister noch lange nicht Schluss sein muss und einem alle Türen offen stehen, sich nach oben weiter zu qualifizieren (z. B. PhysiotherapeutIn, Manuelle Lymphdrainage, Sportphysiotherapeut etc.).

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